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‏Veranstaltungsreihe zur Kritik des Realsozialismus 0

»Die Dummheit der Kommunisten halte ich für kein Argument gegen den Kommunismus«
(Ronald M. Schernikau)

Das Zitat, das unserer Veranstaltungsreihe voran gestellt ist und ihr als Motto dient, stammt von dem Schriftsteller Ronald M. Schernikau, der sich noch 1989 in jene DDR einbürgern ließ, die er für das »schönste Land der Welt« hielt. Dieses Imago teilten unzählige Linke diesseits des ›Eisernen Vorhangs‹. In der Zeit der Blockkonfrontation war der realexistierende Sozialismus gleichsam Bezugspunkt und Projektionsfläche: er wurde als erster Schritt in Richtung einer sozialistischen Weltgesellschaft aufgefasst oder doch zumindest als konstanter Aufschein der Möglichkeit der Überwindung des Kapitalismus wahrgenommen. Der Eindruck, den die Oktoberrevolution hinterließ und der von 1917 bis zum Ende ihres Niedergangs 1989 die linken Partei und Bewegungen weltweit prägte, ist kaum zu unterschätzen. Hingegen gaben sich undogmatische Ostlinke, AnarchistInnen und viele westlich-marxistische Theoretiker, wie z.B. die Vertreter der Kritischen Theorie, solchen Illusionen nicht hin: Stasi, Stalin, Reisebeschränkungen, Konformitätsdruck, die bloße Verwaltung der Menschen und der Terror der Gulags ließen den Glanz der Errungenschaften der Oktoberrevolution verblassen. 93 Jahre nach dem Sturm auf das Winterpalais als Beginn des realsozialistischen Versuchs und 20 Jahre nach seinem Scheitern wollen wir uns mit der Sowjetunion und der DDR beschäftigen. Was war das damals? Und welche Bedeutung hat die Realität des »Sozialismus« in seiner Theorie und Praxis für eine heutige linke Kritik? Um in dieser Frage eine Antwort vorwegzunehmen: vor dem Hintergrund einer derzeit wahrnehmbaren Kokettierung mit dem Marxismus-Leninismus, wie z.B. bei Slavoj Zizek oder Dietmar Dath, erscheint es uns sinnvoll und notwendig, dem Realsozialismus noch einmal gründlich auf den Zahn zu fühlen.

DO, 15.04.2010
| 19 Uhr | Gängeviertel-Druckerei (Valentinskamp 39a)
Verdinglichung als Bedingung von Humanität?
Zur Kritik der Politischen Ökonomie des Sozialismus
Vortrag und Diskussion mit Hannes Gießler (Autor, Leipzig) in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung Hamburg

Karl Marx gibt in Manuskripten zu verstehen, dass er persönlich ein Leben im versachlichten (verdinglichten) ökonomischen Zusammenhang, d.h. der kapitalistischen Gesellschaft, einem Leben in vorherigen Gesellschaftsformationen vorzieht. Die bürgerliche Gesellschaft hätte im Bereich der Produktion und Distribution sowohl unmittelbare Gemeinschaften als auch unmittelbare Herrschaft zugunsten vermittelter beziehungsweise verdinglichter Herrschaft überwunden. Die Frage, inwiefern sie unmittelbare Herrschaft und Gemeinschaft aufgehoben hat, koinzidiert mit den Fragen, was im realexistierenden Sozialismus geschehen ist, welcher Rückfall droht, wenn die kapitalistische Produktionsweise abgeschafft wird, beziehungsweise, was bei ihrer kommenden Aufhebung zu berücksichtigen wäre, um weder staatliche Herrschaft noch totalitäre Gemeinschaft heraufzubeschwören. Inwieweit muss eine Kritik der Politischen Ökonomie auf »Dinghaft Entmenschlichtes als Bedingung von Humanität« (Theodor W. Adorno) reflektieren und sich gegen eine Entfremdungs- und Verdinglichungskritik abgrenzen?

DI, 27.04.10 | 19 Uhr | Gängeviertel-Druckerei (Valentinskamp 39a)
Filmvorführung: »Stalin hat uns das Herz gebrochen«
Danach Vortrag und Diskussion mit dem »AK Stalin hat uns das Herz gebrochen« (Berlin)

Der Film, der im Jahr 2000 von Minka Pradelski und Eduard Erne realisiert wurde, erzählt zunächst von der Hoffnung, die jüdische KommunistInnen mit der jungen DDR verbanden und zeigt schließlich die Trauer und die große Enttäuschung, die das Erleben der stalinistischen Säuberungen für sie mit sich brachte. Nach der Filmvorführung schließt sich ein Vortrag des Berliner »AK Stalin hat uns das Herz« gebrochen an, der sich mit den Schattenseiten des Realsozialismus, konkret mit dem Antisemitismus in der DDR beschäftigen wird. Dabei soll es auch um die Realsozialismus-Rezeption des »wiedervereinigten« Deutschlands gehen, in der Nationalsozialismus und Realsozialismus als sogenannte »doppelte Vergangenheit« totalitarismustheoretisch vermengt werden und darüber eine Relativierung nationalsozialistischer Verbrechen stattfindet. Im Anschluss an das Referat besteht Möglichkeit zur Diskussion.

Bestes Plakat 2009 0

Bedanken wollen wir uns bei allen, die sich an der Abstimmung zur Wahl des besten politischen Plakates 2009 beteiligt und unser Plakat “Deutschland ist kein Grund zum Feiern” auf den ersten Platz gewählt haben.

Kunst. Linke. Gesellschaftliche Emanzipation. 1

Auf Einladung der Associazione Delle Talpe werden wir am Samstag 24.04. in Bremen zu Gast sein, um über Kunst und gesellschaftliche Emanzipation zu referieren und zu diskutieren. Wir freuen uns auf den Ausflug.

“In der wirklichen Bewegung möglicher Emanzipation wäre die politisierte Kunst die, die weder Politik noch Kunst mehr ist.”

Das Verhältnis der Linken zur Kunst ist meist ambivalent: man will sie und man will sie nicht. Selten nähert man sich der Kunst theoretisch, ist diese doch immer ein wenig befremdlich für die meisten Linken. Sie haben ähnlich wie zur Musik ein relativ taktisches Verhältnis zur Kunst: Kunst ist gewollt, aber meist nur als künstlerische Propaganda oder als Ästhetisierung des Politischen. Wie ist das Verhältnis der politischen Linken zur Kunst, welches Verhältnis hat die Kunst zur Linken? Welches Potential einer kritischen Reflektion auf Gesellschaft und das Individuum liegt in der speziellen Form der Kunst? Welche Versuche in der Kunst gab und gibt es, gesellschaftliche Emanzipation vorzubereiten? Welche Formen der Intervention sind mittels Kunst möglich?

Zu den aufgeworfenden Fragen zur Kunst, der Linken und zu gesellschaftlicher Emanzipation referieren und diskutieren zwei Vertreter der Gruppe Kritikmaximierung [Hamburg]

In der Bel Etage [Spedition Bremen] am Güterbahnhof um 20Uhr. Im Anschluss Party.

“diejenigen an ihrer Sprache zu erkennen” 0

Wenn man von einem polternden Heft aus Berlin etwas lernen kann, dann sind es neue Worte. Dafür sind wir dankbar und haben uns erlaubt, als “Hamburger Cineasten und Diskursschufte” (Justus Wertmüller) auch als solche erreichbar zu sein: unsere Internetseite lässt sich nun auch unter www.diskursschufte.de abrufen.

Grussadresse von Claude Lanzmann 0

Dez14

Nach der gewaltsamen Verhinderung einer Vorführung von “Warum Israel” am 25.10. wurde der Film gestern, am 13.12.2009 an vier Orten in Hamburg gezeigt. Zu Beginn der Vorführung im B-Movie wurde eine persönliche Grußadresse von Claude Lanzmann verlesen. Im Folgenden dokumentieren wir seinen Brief an uns im Wortlaut:

Dear friends of Kritikmaximierung,

The best way to express you my solidarity and my gratitude should be to sit among you today. Unfortunately, I am at the moment very far from Europe and it was impossible to change my schedule. I have no other choice than to send you some brotherly words. What strikes me the most in this whole “affaire” is the contrast between the brutality, the stupidity of the people who attacked you and forbade the screening of “Warum Israël” and the very nature of my film, which is a subtle, delicate, and intelligent work, by no means a sionist propaganda manicheistic one. Obviously, the agressors never saw “Warum Israël” and are in any way unable to see it. It is easier to call it a “Kriegs-und-Rassismusverherrlichung” film. One of the main meanings of the film is the discovery, through the eyes of a french diaspora Jew, of a country where everybody is jewish. In this respect, the “normality” of Israël is the “abnormality” as such. And this generates very funny scenes.
Of course, there are many other significations, for instance the nostalgy of Europe, expressed deeply by the german Jew Gert Granach, when he sings beautiful and moving spartakist songs. This film, shot in 1972, never hides the problems, the difficulties, the contradictions of this small and fascinating country, never cheats with the truth. It is true indeed that “Warum Israël” shows a real empathy for Israel, but empathy, as we all know, is the beginning of any understanding. Yes, Arabs don’t speak in the film, one sees them and they are the main thema in the discussions between the Israeli protagonists. I decided so for moral reasons: I could not talk for the Arabs, they should make their own films. What is the most schocking in the attack is the insults, which all belong to the nazi vocabulary (Judenschwein, Schwuchteln) and express the endless perversity of the exchange of roles today, best proof too that there is no antisionisme without antisemitism.

I thank all of you deeply for your courage and firm democratic stand. I am sure that your screening today will be a great success.

Your friend,
Claude Lanzmann

Weitere Vorführungen von »Warum Israel« 0

Dez13

Aufgrund des breiten Interesses an »Warum Israel« und der leider nur sehr begrenzten Plätze im B-Movie wird der Film heute noch an weiteren Orten in der Nähe des Kinos zu sehen sein.

13.12. / 18 Uhr / Markthof
Marktstr. 102 (Karoviertel). Eintritt frei. Eine Veranstaltung von [a2]-hamburg in Kooperation mit Kritikmaximierung.

13.12. / 18 Uhr / Schwarze Katze
Fettstr. 23 (Schanze/Eimsbüttel). Eintritt frei. Eine Veranstaltung der FAU Hamburg

13.12. / 20 Uhr / Kunst- und Kulturverein Linda
Hein-Hoyer-Str. 13 (St. Pauli). B-Movie zu Gast bei Linda. Eintritt frei.

18.01.2010 / 19 Uhr / Uebel & Gefaehrlich
Filmvorführug mit anschließender Diskussion. Podium mit Claude Lanzmann, Hermann L. Gremliza (Konkret) und anderen. Moderation: Max Dax (Spex). Eine Veranstaltung des Uebel & Gefaehrlich.

Es darf keine antisemitische Filmzensur in Hamburg geben! 0

Was sich am Sonntag den 25.10.2009 zwischen 14 und 16 Uhr in der Hamburger Brigittenstraße ereignete, ist schier unfassbar. Das dort ansässige Kino B-Movie wollte in Kooperation mit einer linken Initiative den Film »Warum Israel« von Claude Lanzmann vorführen. Dies hat eine Gruppe von Antiimperialisten und Israelhassern aus dem, im Vorderhaus des Kinos gelegenen, »Internationalistischen Zentrums B5« mit Drohung, Beleidigung und Gewaltanwendung verhindert. continue reading »

Warum Israel am 13.12.2009 1

Mit breiter Unterstützung veröffentlichen wir heute unsere Erklärung »Es darf keine antisemitische Filmzensur in Hamburg geben!« Die über 100 UnterzeichnerInnen, zu denen u.a. Ralph Giordano, Serge und Beate Klarsfeld, Anetta Kahane, Ruben Herzberg, Petra Pau, Franziska Drohsel, Peggy Parnass, Christoph Türcke, Detlev Claussen, Moishe Postone und Diedrich Diederichsen gehören, wenden sich mit dem Papier unmißverständlich gegen jede Form von Antisemitismus und Israelhass. Sie unterstützen die Neuansetzung von »Warum Israel« am 13.12.2009 um 16 Uhr im B-Movie. Der Text kann unter warumisrael.wordpress.com eingesehen werden. Auf der von uns eingerichteten Webseite warumisrael.wordpress.com werden zudem weitere Filmvorführungstermine und zusätzliche Informationen über »Warum Israel« und seinen Regisseur hinterlegt. Hinweisen wollen wir schließlich auf eine Bündnis-Demonstration, die unter dem Motto »Antisemitische Schläger unmöglich machen – auch linke« am 13.12. um 13.30 Uhr an der Roten Flora startet. Wir freuen uns, dass sich Hamburgs linke und alternative »Szene« endlich klar gegen jeden Antisemitismus positioniert und sich von der B5 und ihrem Umfeld abgrenzt. Näheres unter: http://b-g-h-u.blogspot.com

Kritikmaximierung Hamburg